02.12.2010

Autos unter Strom: Gegenwart und Zukunft der Elektromobilität

Elektromobilität ist mehr als ein alternativer Antrieb. Neue Speichertechnologien, neue Mobilitätskonzepte, ja, ganze Märkte wird das E-Auto weltweit in Bewegung setzen. Das wurde deutlich bei dem Exklusivvortrag, den Andreas Varesi vom Marktforschungsunternehmen Technomar vor Kunden und Mitarbeitern von heller & partner hielt. Der Vortrag war die Abschlussveranstaltung der Reihe „Mobilität heute und morgen“, die der agentureigene Kreativclub &-inspire dieses Jahr initiiert hatte. 

Noch scheint das Elektroauto auf Deutschlands Straßen kein Thema zu sein. Das liegt nicht zuletzt an dem teuren Kaufpreis. In Kalifornien beispielsweise sieht es ganz anders aus: Der Nissan LEAF etwa, der 2011 erscheint, wird dort mit fast 15.000 Euro pro Stück subventioniert und dürfte entsprechend guten Absatz finden. 

Wenn der Deutsche beim Kauf auch tiefer in die Tasche greifen muss – die laufenden Kosten eines Elektrofahrzeugs fallen erfreulich gering aus. Das liegt vor allem am hohen Wirkungsgrad. Selbst der beste Diesel kommt nur auf maximal knapp 40 Prozent, ein E-Motor bringt es auf stolze 98. Entsprechend kostet ein Kilometer mit einem E-Fahrzeug nur ca. zehn Cent. 

Indessen tüfteln die Energieversorger fleißig an 
E-Modellen. Der Karabag 500 E von RWE – eigentlich ein umgebauter Fiat 500 – ist sogar schon jetzt zu haben und wird vom Konzern als „Hingucker mit Marketingwirkung“ beworben. Darüber hinaus feiert die neue Antriebstechnik als E-Taxi, E-Kommunalfahrzeug und E-Leihwagen bereits erste Erfolge. 

Ob Elektromobilität über diese punktuellen Einsätze hinaus bei uns von Erfolg gekrönt sein wird, hängt nicht nur von der Preispolitik, sondern auch von der Effizienz der Stromspeichertechnologien ab. Bei der derzeit viel gepriesenen Lithium-Ionen-Batterie haben die Asiaten ganz klar die Nase vorn. Hier aufzuholen sei für die deutsche Industrie schlichtweg unmöglich, da chemische Rezepturen nur schwer zu kopieren seien, so Varesi. 

Aber es gibt noch andere Stromspeichertechnologien, die derzeit erprobt werden. Ein Hoffnungsträger ist die Lithium-Luft-Technologie, die Batterien um ein Vielfaches leichter macht. Die derzeit 450 Kilo schwere Lithium-Ionen-Batterie des US-amerikanischen Tesla würde mit Lithium-Luft-Technologie nur zehn Kilogramm wiegen! 

Hinzu kommt die Frage nach der geeigneten Infrastruktur für das Aufladen der Batterien. Die gegenwärtig eingesetzten teuren Hightech-Ladestationen können auf Dauer keine Massenlösung sein, zumal die überwiegende Mehrheit der Deutschen ihr E-Auto am liebsten daheim aufladen möchte – dies ergab eine Technomar-Marktstudie. 

Damit sind wir bei der Frage nach der Akzeptanz und voraussichtlichen Nutzung der neuen Technologie in der Bevölkerung. Eine überraschende Erkenntnis: So beliebt das E-Auto als Idee für viele ist – kaufen würden insbesondere die Jüngeren unter uns eher keines. Das liegt aber nicht an Elektro, sondern daran, dass sie generell kein eigenes Auto erwerben würden. „Mobility2go“ heißt hier das Zauberwort: Die „Generation iPhone“ erwartet intelligente Mobilitätsangebote on demand. Ihr Smartphone soll sie zu ihrem nur zeitweilig genutzten Wagen navigieren, den sie am nächsten Tag etwa zugunsten einer Zugfahrt wieder abgeben. Eine komplette Abkehr von der „Mein Haus, mein Auto, mein Boot“-Mentalität, die den Planern von E-Mobil-Vertriebskonzepten einige Nüsse zu knacken gibt. 

Hersteller von Premium-Fahrzeugen werden dennoch auch im E-Zeitalter weiterhin ihren Platz haben, so Varesi. Durch effektive Antriebe und hochwertige Leichtbauweise mit Verbundmaterialien werden sie sich auch zukünftig vom Wettbewerb absetzen können. 

Wie auch immer er aussehen wird: Bis 2020 wird es auch in Deutschland einen Massenmarkt für E-Autos geben, prognostiziert Technomar. Die Zukunft wird also im wahrsten Sinne des Wortes hochspannend! 

Andreas Varesi ist geschäftsführender Gesellschafter der Technomar GmbH, einem Unternehmen für technologieorientierte Marktforschung und Unternehmensberatung in München, das mehr als 30 Jahre Erfahrung auf seinem Gebiet besitzt und schon mehrere Expertisen zur Elektromobilität abgegeben hat. 

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